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Mittwoch, 22.11.2017

Kulturnachrichten

Samstag, 14. Oktober 2017

Aufgeheizte Stimmung auf Frankfurter Buchmesse

Eklat bei Auftritt des AfD-Politikers Björn Höcke

Bei einem Auftritt des AfD-Politikers Björn Höcke am Stand des rechtsgerichteten Antaios-Verlags bei der Frankfurter Buchmesse entlud sich die aufgeheizte Stimmung. Auf einem Twitter-Video sind mutmaßliche AfD-Sympathisanten und Identitäre zu sehen, die lautstark "Jeder hasst die Antifa" skandieren, während Antaios-Verlagschef Götz Kubitschek durch das Bild läuft. Bereits gestern kam es am Stand der rechtsgerichteten Wochenzeitung "Junge Freiheit" zu einem gewalttätigen Angriff auf Trikont-Verlagschef Achim Bergmann, der im Gesicht verletzt wurde. Bergmann hatte im Vorbeigehen eine Lesung offenbar abfällig kommentiert, worauf ein Zuhörer in mit der Faust ins Gesicht schlug. Der Verleger ließ sich im Krankenhaus behandeln und erstattete Strafanzeige. Der Auftritt rechter Verlage ist dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse besonders umstritten.

Weinstein-Skandal beschäftigt Oscar-Akademie

Vorstand berät in Dringlichkeitssitzung über möglichen Ausschluss Weinsteins

Die Vorwürfe von sexuellen Belästigungen bis Vergewaltigungen gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein kommen in einer Dringlichkeitssitzung der Oscar-Akademie zur Sprache. Der Vorstand des Filmverbands will über den möglichen Ausschluss des oscar-prämierten Filmproduzenten beraten. Dutzende Oscars gingen an Filme, die von Harvey Weinstein mitproduziert wurden. Das in Vorwürfen beschriebene Verhalten Weinsteins sei "widerlich, abscheulich und gegensätzlich zu den hohen Standards der Akademie und der kreativen Gemeinschaft, für die sie steht", hieß es zuvor in einem Statement der Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Beverly Hills. Zahlreiche Schauspielerinnen, Models und Mitarbeiterinnen des Produzenten hatten sich in den letzten Tagen mit Vorwürfen gegen Weinstein zu Wort gemeldet. Eine Sprecherin des Filmproduzenten hatte die Anschuldigungen nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe vor gut einer Woche zurückgewiesen. Prominente Branchen-Kollegen haben sich inzwischen von Weinstein distanziert. Filmstars wie Meryl Streep, Ryan Gosling, Tom Hanks und Leonardo DiCaprio zeigten sich erschüttert über die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe und den Machtmissbrauch des Moguls.

Wiedersehen der Gruppe 47 in Waischenfeld

Literaturfestival 50 Jahre nach dem letzten Treffen

50 Jahre nach dem letzten Treffen der Gruppe 47 erinnert ein kleines Literaturfestival in Franken an den Literatenkreis. Die Stadt Waischenfeld hatte noch lebende Autoren der legendären Vereinigung eingeladen - für Lesungen, Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen. Schriftsteller Friedrich Christian Delius hat das Wiedersehen von Mitgliedern der Gruppe fünf Jahrzehnte nach der letzten Zusammenkunft genossen. Ein "Veteranentreffen in dieser schönen Gegend" zu machen, sei eine hervorragende Idee gewesen, sagte der Büchner-Preisträger. Es sei gut, dass wieder häufiger über die Gruppe 47 und ihre Bedeutung gesprochen werde, sagte Delius, der bei dem Treffen vor 50 Jahren zu den Vertretern der jüngeren Generation gehört hatte. Die Gruppe 47 galt als bedeutendster Literaturkreis der jungen Bundesrepublik. Namen wie Günter Grass, Heinrich Böll, Martin Walser, Ingeborg Bachmann und Hans Magnus Enzensberger waren ihre Aushängeschilder.

Fariba Vafi mit LiBeraturpreis ausgezeichnet

Autorin erhielt Publikumspreis für ihren Roman "Tarlan"

Die iranische Schriftstellerin Fariba Vafi ist auf der Frankfurter Buchmesse mit dem diesjährigen LiBeraturpreis ausgezeichnet worden. Die Autorin erhielt den mit 3.000 Euro dotierten Publikumspreis für ihren Roman "Tarlan". Die Hauptfigur Tarlan im Roman wird Polizistin, möchte aber Schriftstellerin werden. "Die Protagonistin steht stellvertretend für iranische Frauen. Sie lächeln und erkämpfen sich Freiräume", sagte der deutsch-iranische Schriftsteller SAID laut Manuskript in seiner Laudatio. Vafi passe weder persönlich noch literarisch in eine Schublade. Trotz der Zensur im Iran erreiche sie mit ihren Werken Auflagen von 26.000 Exemplaren. SAID lobte Vafis Beobachtungsgabe und ihr Nachdenken über Freiheit. In dem Roman falle kein Wort über Politik in der "islamischen Republik", und dennoch entstehe ein Psychogramm des Landes, eine Erzählung über ein ganz normales iranisches Leben. Vafi zählt zu den beliebtesten und erfolgreichsten Schriftstellerinnen im Iran, wo sie auch Preise gewann.

Margaret Atwood fühlt sich an die 30er Jahre erinnert

Neue Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels sieht politische Parallelen zur Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg

Die neue Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, Margaret Atwood, sieht in der aktuellen politischen Lage Parallelen zur Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. "Das erinnert an die 1930er Jahre", sagte die kanadische Schriftstellerin auf der Frankfurter Buchmesse. Wie damals gebe es starke totalitäre Tendenzen - mit dem Unterschied, dass sie diesmal in den USA zu beobachten seien. Die autoritären Tendenzen weltweit erklärt sich Atwood mit den globalen Umbrüchen und dem schnellen Wandel. "Wir leben in einer Zeit des Aufruhrs." Atwood wird die renommierte Auszeichnung am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche zum Abschluss der weltweit größten Buchmesse entgegennehmen. Die Frankfurter Buchmesse ist seit Samstag für das allgemeine Lesepublikum geöffnet. Zu den prominenten Autoren, die auf der weltgrößten Buchmesse ihre Werke vorstellen, gehören unter anderem Rolf Dobelli und Uwe Timm. Mit dabei sind auch Martin Walker, Axel Hacke und Gregor Gysi.

Eifeler Traditionsabtei Himmerod wird aufgelöst

Mönche können in ein Kloster ihrer Wahl übersiedeln

Das Zisterzienserkloster Himmerod in der Eifel wird aufgelöst. Dies hat das Kongregationskapitel der Mehrerauer Kongregation als höchste Instanz der deutschsprachigen Zisterzienserklöster in der vergangenen Woche entschieden, wie das Kloster mitteilte. "Die wirtschaftlich angespannte Situation, aber vor allem die geringe Zahl der Mönche, waren entscheidend für diesen schweren Schritt", erklärte Abt Johannes. Vor sechs Jahren hätten noch zehn, derzeit nur noch sechs Mönche dem Konvent angehört. Sie hätten nun die Möglichkeit, in ein anderes Kloster ihrer Wahl überzusiedeln. Laut Abtei gehen die Liegenschaften in den Besitz des Bistums Trier über. Bischof Stephan Ackermann sei bereits offiziell über die Auflösung des Klosters informiert worden. In den kommenden Tagen und Wochen werde man sich für einen reibungslosen Übergang und tragfähige Lösungen für die Mitarbeiter einsetzen. Das Zisterzienserkloster Himmerod wurde 1134 vom heiligen Bernhard von Clairvaux gegründet. Nach der Säkularisation wurde die Abtei fast komplett zerstört und Anfang des 20. Jahrhunderts nach barockem Vorbild neu errichtet.

Deutscher Kulturrat für Reformen bei der UNESCO

UNESCO-Exekutivrat wählt unterdessen neue Generaldirektorin

Der Deutsche Kulturrat spricht sich für Reformen bei der UNESCO aus. Viele Entscheidungen seien über die Hintertür durchgesetzt worden, das habe zu einer Verhärtung geführt, so der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann. Die UNESCO war in schwere Turbulenzen geraten, da die USA und Israel am Donnerstag überraschend ihren Austritt angekündigt hatten. Unterdessen hat der Exekutivrat der Organisation die frühere französische Kulturministerin Audrey Azoulay zur neuen Generaldirektorin gewählt. Die 45-jährige setzte sich am Freitagabend bei einer Abstimmung in Paris durch. Die UNESCO-Generalkonferenz muss das Ergebnis noch bestätigen. Außenminister Sigmar Gabriel begrüßte Azoulays Wahl. Er wünsche ihr "viel Kraft und Mut, die notwendigen Schritte anzugehen, um die Unesco zu reformieren", erklärte Gabriel. Es bestehe kein Zweifel daran, dass eine Reform der UN-Kulturorganisation nötig sei. Dies hätten die jüngsten Diskussionen gezeigt.

Wim Wenders mit Douglas-Sirk-Preis geehrt

Laudatio hielt die iranische Künstlerin und Filmemacherin Shirin Neshat

Regisseur Wim Wenders ist auf dem Hamburger Filmfest mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet worden. "Seit einem halben Jahrhundert zeigt Wim Wenders uns mit seinem ganz besonderen Blick die Welt - wie sie war, wie sie ist und vielleicht auch wie sie sein sollte", ließ Kultursenator Carsten Brosda vorab mitteilen. "Seine Filme werben gleichzeitig leise und doch mit großer Wucht für Verantwortung und Menschlichkeit." Anschließend feierte Wenders neuer Film "Submergence" mit Oscar-Gewinnerin Alicia Vikander und James McAvoy in den Hauptrollen Deutschland-Premiere. Der Liebesfilm nach dem Roman von J. M. Ledgard soll im Februar 2018 in die Kinos kommen. Seit 1995 wird im Rahmen von Filmfest Hamburg der Douglas-Sirk-Preis an Persönlichkeiten verliehen, die sich um Filmkultur und Filmbranche verdient gemacht haben.

Deutscher Jugendliteraturpreis verliehen

Gudrun Pausewang erhielt Preis für ihr Lebenswerk

Die Autorin Gudrun Pausewang hat den Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Lebenswerk erhalten. Der in diesem Jahr zum ersten Mal verliehene Sonderpreis "Neue Talente" ging an den Schriftsteller Mario Fesler. Auszeichnungen erhielten zudem Jakob Wegelius, Bonnie-Sue Hitchcock, Piotr Socha, Isabel Minhós Martins und Becky Albertalli. Pausewang habe unzählige junge Leser darin bestärkt, für Frieden, Freiheit und Toleranz einzustehen und für eine lebendige Demokratie zu kämpfen, unterstrich die Jury. Nachwuchsautor Mario Fesler überzeugte die Juroren mit seinem Debüt "Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer". In der Sparte Kinderbuch wurde der Abenteuerroman "Sally Jones. Mord ohne Leiche" des schwedischen Autors und Illustrators Jakob Wegelius ausgezeichnet. Als bestes Jugendbuch wurde "Der Geruch von Häusern anderer Leute" der US-Autorin Bonnie-Sue Hitchcock prämiert.

Spanien liefert Schriftsteller Akhanli nicht an Türkei aus

Ministerrat entscheidet Auslieferungsverfahren nicht fortzusetzen

Spanien liefert den deutschtürkischen Schriftsteller Dogan Akhanli nicht an die Türkei aus. Das teilte das spanische Justizministerium in Madrid mit. Der Ministerrat in Madrid habe entsprechend eines Vorschlags von Justizminister Rafael Catalá entschieden, das Auslieferungsverfahren an die Türkei nicht fortzusetzen, heißt es in einer Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Akhanli war am 19. August bei einem Spanienurlaub wegen eines türkischen Fahndungsaufrufs festgenommen worden. Einen Tag später wurde er freigelassen, musste sich seither aber wöchentlich bei der Polizei melden. Die Türkei wirf ihm Beteiligung an einem Raubmord vor. Akhanli bestreitet das und sieht politische Motive hinter dem Auslieferungsantrag.

Entscheidung über Gomringer-Gedicht noch offen

Vorschlagsfrist zur Neugestaltung verlängert

Der Streit um ein angeblich sexistisches Gedicht des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer bleibt vorerst in der Schwebe. Die Alice Salomon Hochschule Berlin, an deren Fassade das Gedicht angebracht ist, hat die Vorschlagsfrist zur Neugestaltung der Außenwand bis Ende Oktober verlängert. Man wolle auch den Erstsemestern die Möglichkeit geben, sich in die Debatte einzubringen, sagte eine Sprecherin. Angehörige der Hochschule hatten moniert, das auf Spanisch verfasste Gedicht "avenidas" könne Frauen gegenüber als diskriminierend aufgefasst werden. Sie beziehen sich dabei auf den Satz: "Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer". Daraufhin hatte die Hochschulleitung ein partizipatives Verfahren für eine mögliche Neugestaltung der Fassade ausgeschrieben. Der Fall erregte international Aufsehen. Die Schriftstellervereinigung Deutsches PEN-Zentrum warnte vor Zensur.

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Fazit

Lagos BiennaleKulturelle Zwänge hinter sich lassen
Eine Perfomance des Künstlers Tito Aderemi-Ibitola (Hakeem Jimo)

Auf dem Gelände eines Eisenbahnschuppens für Dampflokomotiven im nigerianischen Lagos findet die erste Kunst-Biennale Lagos statt. 37 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt zeigen ihre sehr politischen und gesellschaftkritischen Werke.Mehr

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