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Interview | Beitrag vom 17.05.2018

Asylpolitik der Europäischen UnionDringend Alternativen gesucht

Marie-Claire Foblets im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Bootsflüchtlinge mit orangefarbenen Rettungswesten in einem überfüllten Gummiboot vor der libyschen Küste. (dpa /AP /Felipe Dana)
Diese Bilder begleiten uns seit Jahren: Bootsflüchtlinge vor der libyschen Küste (dpa /AP /Felipe Dana)

Viele Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Experten machen sich nun darüber Gedanken, ob es Alternativen zur umstrittenen europäischen Asylpolitik gibt. Humanitäre Visa könnten helfen - oder Umsiedlungsprogramme.

Krieg und Naturkatastrophen treiben jedes Jahr Millionen von Menschen in die Flucht. Allein im vergangenen Jahr gab es 31 Millionen Binnenflüchtlinge, die Haus und Hof verlassen mussten und innerhalb ihres eigenen Landes Schutz suchten. Das geht aus dem neuen Bericht des Genfer Beobachtungszentrums für Binnenvertriebene (IDMC) hervor.

Die Europäische Union kann sich derweil nicht auf eine gemeinsame Flüchtlingspolitik einigen. In Halle an der Saale denken Ethnologen und Migrationsexperten nun zwei Tage lang über Alternativen dazu nach. Marie-Claire Foblets, Direktorin des dortigen Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung, kritisiert vor allem, dass Flüchtlinge erst nach Europa kommen müssen, um einen Antrag auf Asyl zu stellen.

Keine globale Lösung in Sicht

"Wir schützen unsere Grenzen, aber wir möchten auch Menschen schützen. Was ist dann die richtige Balance?", so Foblets im Deutschlandfunk Kultur. Sie plädierte für Umsiedlungsprogramme nach kanadischem Vorbild und humanitäre Visa. Die Menschen, die in Kanada ankämen, seien bereits anerkannte Flüchtlinge, lobte sie.

Humanitäre Visa böten mehr Schutz für Flüchtlinge, weil diese dann beispielsweise nicht irgendeine gefährliche Mittelmeer-Route nehmen müssen. Zugleich ist sich Foblets aber auch der Grenzen dieses Instruments bewusst: Das könne keine globale Lösung sein, sagte sie. Denn die nationalen Botschaften müssten die humanitären Visa ausstellen, und diese könnten möglicherweise überfordert werden, wenn sich zu viele Menschen meldeten. Bei 28 EU-Mitgliedsstaaten, die alle ihre eigene Flüchtlingspolitik betrieben, werde es auch kaum eine gemeinsame Linie geben.

(ahe)

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