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Kompressor | Beitrag vom 08.06.2017

Architektur im Zoo Wie der Mensch das Tier einhegt

Natascha Meuser im Gespräch mit Timo Grampes

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Der Parc zoologique de Paris, der größte Zoo der französischen Hauptstadt, gelegen im Stadtwald Bois de Vincennes. (Imago/PanoramiC)
Der Parc zoologique de Paris, der größte Zoo der französischen Hauptstadt, gelegen im Stadtwald Bois de Vincennes. (Imago/PanoramiC)

Zoos sind Besuchermagneten. Doch wie sie gestaltet sind, war lange nicht erforscht. Die Architektin Natascha Meuser hat ein Standardwerk vorgelegt, das diese Lücke schließen will. Es verrät viel über die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Für die Architektin Natascha Meuser begann alles mit einer Anfrage eines Spielzeugherstellers. Sie sollte einen Zoo entwerfen, in dem Kinder mit ihren Kunststofftieren spielen können. Meuser begann daraufhin zu recherchieren und stellte fest, dass die Architektur von Zoos so etwas wie eine Geheimwissenschaft zu sein schien. Obwohl Zoos in der Regel mehr Besucher anziehen als Theater oder Museen, wird den Gebäuden viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Innerhalb von mehr als zehn Jahren erarbeitete sich Meuser daraufhin ein enormes Wissen über die gegenwärtige und vergangene Gestaltung von Zoos. 

Von Zoologie und Biologie dominiert

Traditionell hätten vor allem die Zoologie und die Biologie die Gestaltung der Zoos dominiert, sagte Meuser im Deutschlandfunk Kultur. "Das sind Artensammler, Artenschützer, Naturschützer und die beschäftigen sich am allerwenigsten mit Architektur." Für sie gehe es vor allem um Gehege, um einen Lebensraum, ein Territorium, aber nicht um gestaltete Architektur und schon gar kein Baustil. "Die Frage, die mich angetrieben hat: Wie spiegelt die Architektur das jeweilige Verhältnis von Mensch und Tier wieder in der jeweiligen Epoche", sagte Meuser. "Das gab es bis dato noch nicht."  

Zoo als Gefängnis, Theater und Museum in einem

Ihr Buch "Architektur im Zoo" soll nun zum Standardwerk für Architekten werden, die einen Zoo bauen. Aber es ist auch für Laien interessant, weil es viel über das Verhältnis von Mensch und Tier in den jeweiligen Epochen erzählt. Meuser war es wichtig, dass das Einsperren von Tieren in ihrem Buch nicht verklärt wird. Konsequent vermeidet sie den Begriff "artgerechte Haltung" und spricht stattdessen vom Zoo als einem Gebäude, das Gefängnis, Theater und Museum in einem ist.

Natascha Meuser: Architektur im Zoo. Theorie und Geschichte einer Bautypologie
Dom publishers, 2017
448 Seiten, 98 Euro.

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