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Lesart / Archiv | Beitrag vom 03.02.2017

Architektur der Zukunft Abschied vom "Terror des Funktionalismus"

Christoph Metzger im Gespräch mit Joachim Scholl

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Eine 81-jährige Demenz-Patientin geht im Garten der Wohnanlage Tönebön am See in Hameln spazieren. (picture alliance / dpa)
Für den Musikwissenschaftler Christoph Metzger ist Bewegung der Schlüsselbegriff für das Verhältnis von Demenz und Architektur. (picture alliance / dpa)

Der Musikwissenschaftler Christoph Metzger spricht sich für einen radikalen Wandel für die Architektur der Zukunft aus. In seinem neuen Buch "Bauen für Demenz" empfiehlt er Räume, die mehr Bewegung und Wohlfühlen ermöglichen.

"Wir müssen hundert Jahre die Geschichte zurückschrauben", sagte der Musik- und Kunstwissenschaftler Christoph Metzger im Deutschlandradio Kultur. Der Professor an der Hochschule  für Bildende Künstler in Braunschweig fordert in seinem neuen Buch "Bauen für Demenz" einen grundlegenden Wandel für die Architektur der Zukunft und die Abkehr von den Gründern der modernen Architektur wie Le Corbusier, Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe. Sie müssten heute kritischer betrachtet werden als in der Vergangenheit. "Wir müssen zurück zu den Wurzeln des englischen Landhauses, wir müssen zurück zu Bewegung in Architektur und wir müssen uns vom Terror des Funktionalismus  befreien."

Mangel an Bewegung

Der Begriff "Demenz" habe in den letzten 15 Jahren an Popularität gewonnen, sagte Metzger. Alle Formen kognitiver Einschränkung, die mit dem Alter verbunden seien, würden heute so bezeichnet. "Das Mittel gegen kognitive Einschränkung ist schlicht und einfach die Bewegung und wenn sie Gebäude haben, die von vorne herein Bewegung verhindern, die sozusagen funktional darauf angelegt sind, ihnen sämtliche Tätigkeiten auf engstem Raum abzuverlangen, dann laufen sie Gefahr, diese kognitiven Kompetenzen zu verlieren", sagte Metzger.

Erfahrungen aus der Klangkunst

Der Musikwissenschaftler sagte, seine Thesen stießen auch deshalb auf besonderes Interesse, weil er kein Architekt sei und seine Erkenntnisse aus der Klangkunst einbringe. Die Bayerische Architektenkammer habe ihn kürzlich eingeladen, die sich mit dem Thema Barrierefreiheit beschäftigten. Sie hätten in seinem Buch eine Art "visionären Leitfaden" gesehen, wie die Architektur der Zukunft nicht nur für Menschen mit Demenz in Zukunft gestaltet werden könne.

Der Forschungsschwerpunkt von Metzger sind akustisch gestaltete Räume. Er ist Professor für "Kunstwissenschaft mit dem Schwerpunkt Geschichte und Theorie der Klangkunst"  an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. In seinen Arbeiten verbindet er Fragestellungen einer multisensorischen Wahrnehmung des Menschen mit den Angeboten der Architektur. Sein interventionistisches Architektur-Projekt: Klangkunstforum Potsdamer Platz, Berlin wurde 2001 mit dem AICA Award des Internationalen Kunstkritiker Verbandes und dem CEREC Award der Financial Times ausgezeichnet.  

Christoph Metzger, Bauen für Demenz, Jovis-Verlag, Berlin 2016, 29,80 Euro.  

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