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Buchkritik | Beitrag vom 16.05.2017

Antonio Ortuño: "Madrid, Mexiko"Eine ausweglos finstere Familiensaga

Von Katharina Döbler

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Cover von Antonio Ortuño: "Madrid, Mexiko", im Hintergrund überreichen sich zwei Hände eine Waffe (Kunstmann / picture alliance / dpa / Jan-Philipp Strobel / Collage: Deutschlandradio)
Das Thema der Gewalt ist zentral in Antonio Ortuños Büchern. (Kunstmann / picture alliance / dpa / Jan-Philipp Strobel / Collage: Deutschlandradio)

Die blutige und brutale Geschichte einer spanischen Familie über die Jahrzehnte hinweg erzählt Antonio Ortuño in "Madrid, Mexiko". Herausgekommen ist allerdings kein Krimi - eher ein Thesenroman, der zeigen will, dass unter gewissen Umständen alle zu Verbrechern werden.

Madrid 1923, Mexiko-Stadt 1946, Guadaljara 1997, Toledo 2014: Stationen einer spanischen Familie, die der Bürgerkrieg ins lateinamerikanische Exil zwingt. Das neue Buch des Mexikaners Antonio Ortuño erzählt die Geschichte der Almansas, die im anarchistischen Madrid in bitterer Not leben, deren Enkel es jedoch zu Geld und einer vermeintlich gesicherten Existenz bringen.

Aber die Sicherheit ist trügerisch, denn es gibt immer Feinde, Gedemütigte mit einer mörderischen Wut im Bauch. Das Thema der Gewalt ist zentral in Ortuños Büchern, und auch in "Madrid, Mexiko". Schon im ersten Kapitel, wir sind im Jahr 1997, wird der junge Omar Almansa in einen Doppelmord verwickelt: Ein korrupter Gewerkschaftsboss und die gemeinsame Geliebte liegen tot im Bett, und hinter ihm ist nun ein Mörder her.

Viele drastische Szenen

So geht es weiter, blutig und brutal, in Zeitsprüngen über die Jahrzehnte und Kontinente hinweg: Ein Jugendfreund und Rivale bekämpft Yago Almansa bis aufs Messer, in einem mexikanischen Dorf wird ein Junge immer wieder vergewaltigt und zum Psychopathen gemacht, León Almansa begeht Kriegsverbrechen in Marokko, María Almansa verkauft auf der Flucht ihren Körper, um die Familie zu retten, Guillermo Almansa raubt die Kriegskasse der Kommunisten. Nach jeder erzählerischen Ruhepause folgt eine drastische Szene. Es hört nie auf.

Ortuño erzählt in dieser ausweglos finsteren Familiensaga einiges an Zeitgeschichte mit, er schildert das mexikanisch-spanische Verhältnis und die Fluchtbewegungen in beide Richtungen. Doch ein historischer Roman oder ein Familienroman wird das Buch damit noch nicht. Es ist aber auch kein Krimi. Eher ein Thesenroman, der zeigen will, dass unter gewissen Umständen alle zu Verbrechern werden.

Antonio Ortuño: Madrid, Mexiko
Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein
Kunstmann, München 2017
224 Seiten, 20,00 Euro

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