Mittwoch, 22.11.2017

Interview / Archiv | Beitrag vom 15.02.2017

Angst um den guten RufVor allem Eltern schleppen sich krank zur Arbeit

Katja Mierke im Gespräch mit André Hatting

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Eine junge Frau putzt sich die Nase. (dpa picture alliance / Klaus Rose)
Nur ein Schnupfen oder schon eine Grippe? Wer krank ist und Fieber hat, gehört ins Bett und sollte nicht mehr zur Arbeit gehen. (dpa picture alliance / Klaus Rose)

Wer sich zur Arbeit schleppt, obwohl er eigentlich krank ist, leidet im Fachjargon an Präsentismus. Die Motive sind vielschichtig, sagt die Psychologie-Professorin Katja Mierke.

Winterzeit ist Krankheitszeit. Schon wieder läuft die Nase, der Hals schmerzt und man fühlt sich elend und schlapp. Soll man trotzdem zur Arbeit gehen? Oder sich doch lieber krankschreiben lassen? Wie reagiert der Chef? Und wer erledigt den Job? Diese Fragen stellen sich viele Arbeitnehmer und einige gehen trotz ihrer Krankheit ins Büro. In der Psychologie bezeichnet man dieses Phänomen als Präsentismus und eine Studie der privaten Hochschule Fresenius in Köln hat die Motive der Arbeitnehmer genauer untersucht.

Väter und Mütter stark betroffen

Vor allem Eltern gingen weiter krank zur Arbeit, weil der soziale Druck besonders groß sei, sagt die Psychologieprofessorin Katja Mierke von der privaten Hochschule Fresenius im Deutschlandradio Kultur. Mütter und Väter wollten zusätzliche Fehltage vermeiden, weil sie schon häufig fehlten, wenn ein Kind krank sei. Sie wollten nicht "weniger pflichtbewusst, weniger loyal, weniger belastbar dastehen".

Weitere Motive von Arbeitnehmern, die krank zur Arbeit gingen, seien die Angst um den guten Ruf, Termindruck oder Pflichtgefühl. Seltener sei die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren der Grund, sagt Mierke. Andere Studien hätten gezeigt, dass vor allem das Gesundheitswesen und die Baubranche von Präsentismus betroffen seien, weil die Verpflichtung gegenüber den Kollegen angesichts der hohen Arbeitsbelastung besonders groß sei.

Wertewandel beugt vor

Ziel der Untersuchung sei auch die Vorbeugung, sagt Mierke. Die Psychologin empfiehlt, das Führungskräfte mit gutem Beispiel vorangehen. Aber auch gute Vertretungsmöglichkeiten oder der Einsatz von Springern helfe hier genauso weiter wie ein grundsätzlicher Wertewandel im Unternehmen.

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