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Im Gespräch | Beitrag vom 19.05.2018

AlltagsrassismusWie rassistisch bin ich selbst?

Moderation: Katrin Heise

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Negativ-Print des Fotografen Jean-Luc Dubin, zu sehen in der Ausstellung "Rassismus. Die Erfindung der Menschenrassen" im Deutschen Hygienemuseum in Dresden, 19.5.2018 bis 6.1. 2019. (Jean-Luc Dubin. Musée de l´Homme)
Im Dresdner Hygiene-Museum hinterfragt eine Ausstellung den Begriff Rasse. (Jean-Luc Dubin. Musée de l´Homme)

Wenn hierzulande von Rassismus die Rede ist, denken die meisten an Neonazis, die AfD oder Stammtischrunden. Rassistisch sind die anderen. Doch stimmt das? Oder ist nicht jeder von uns rassistisch – ohne sich dessen bewusst zu sein?

"Die Krux am Alltagsrassismus ist, dass er immer dann kommt, wenn man ihn nicht erwartet", sagt Tupoka Ogette aus eigener Erfahrung. Sie ist 1980 in Leipzig geboren, Tochter eines Tansaniers und einer Deutschen, und arbeitet bundesweit als Anti-Rassismus-Trainerin. Sie gibt Workshops und Seminare, berät Unternehmen und besucht Schulen, um auf die unterschwellige Diskriminierung aufmerksam zu machen, der Menschen mit einem nicht-weißen Aussehen hierzulande ausgesetzt sind.

Tupoka Ogette kennt die misstrauischen Blicke, wenn Schwarze in einen Raum kommen, die Vorurteile, denen sie bei der Wohnungssuche oder auf einem Amt begegnen, egal, ob sie einen deutschen Pass haben oder nicht. In ihrem Buch "Exit Racism" entlarvt sie diesen Alltagsrassismus und zeigt, wie man lernen kann, rassismuskritisch zu denken. Weiße sollten sich der Privilegien bewusst werden, die sie durch ihre Hautfarbe haben: "Ich hoffe, dass Weiße die Wahl treffen, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen. Schwarze haben diese Wahl nicht."  

Anfeindungen wegen des Kopftuches

"Es gibt so viele Begriffe im Alltag, die dazu führen, dass wir Menschen nicht mehr als Menschen sehen", sagt die türkisch-stämmige Journalistin und Bloggerin Kübra Gümüşay. Sie ist eine der bekanntesten Musliminnen in Deutschland und äußert sich regelmäßig zu politischen Themen, Feminismus, Rassismus, Islam und Populismus. Seit ihrem zehnten Lebensjahr trägt sie Kopftuch und muss auch deshalb Anfeindungen ertragen. Kübra Gümüşay beschäftigt das veränderte politische Klima in Deutschland; die Erfolge von Pegida und der AfD. "Die Themen, die Rassisten, Neonazis, AfDler in unserer gesellschaftlichen Mitte setzen, stellen unsere – meine – Existenz, Daseinsberechtigung infrage." Vieles werde wieder sagbar, im Netz wie der realen Welt.

Ihre Mahnung: "Wenn sich Menschen für ihre rassistischen Äußerungen nicht mehr schämen, dann sind wir mit unserer Empörung zu spät!"

Alltagsrassismus – Wie rassistisch bin ich selbst?

Darüber diskutiert Katrin Heise heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Kübra Gümüşay und Tupoka Ogette. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de sowie auf Twitter.

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