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Samstag, 16.12.2017

Fazit / Archiv | Beitrag vom 06.05.2017

"89/90" beim Berliner Theatertreffen Wimmelbild der Wendezeit

Claudia Bauer im Gespräch mit Susanne Burkhardt

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Das Theaterstück nach dem Roman von Peter Richter wurde von Regisseurin Claudia Bauer umgesetzt und hat am 16.09.2016 Premiere. (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)
Die Schauspieler Bettina Schmidt und Wenzel Banneyer proben im Schauspielhaus in Leipzig das Stück "89/90". (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)

Die Regisseurin Claudia Bauer hat aus Peter Richters Wenderoman "89/90" ein Oratorium gemacht. Das Stück sei ein Wimmelbild über eine Zeit, die die Menschen in Ostdeutschland - ob jung oder alt - bis heute wie ein Körperteil mit sich trügen, sagt sie.

Peter Richters Roman "89/90" erzählt von der Zeit der Wende in der DDR aus der Sicht eines Sechzehnjährigen. Diesen Stoff hat die Regisseurin Claudia Bauer im Schauspiel Leipzig auf die Bühne gebracht und ist jetzt mit ihrer Inszenierung zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Peter Richter habe einfach alles aufgeschrieben, was er von der damaligen Zeit noch wisse und erzählenswert finde, sagte Bauer im Deutschlandfunk Kultur. Dadurch entstehe eine Art Wimmelbild, "wie gehe ich damit um, wenn das System weg ist und der Kapitalismus plötzlich als großer, süßer Brei in die Landschaft suppt und trotzdem einen nicht so wirklich ernährt."

Die DDR im kollektiven Gedächtnis

Auch fast dreißig Jahre nach der Wende sei der Roman wichtig, "weil da natürlich der Keim liegt von so vielen Dingen, mit denen wir uns heute in Deutschland extrem auseinanderzusetzen haben", betonte Bauer. In Leipzig habe das Stück extrem unterschiedliche Reaktionen ausgelöst: So habe es einerseits Menschen ins Theater gelockt, die normalerweise nicht dorthin gingen.

"Und dann gehen teilweise sehr viele junge Leute rein, die dann aber so über den Osten sprechen, als ob sie dabei gewesen wären", sagte die Regisseurin. "Und die dann aber sagen: Ja, aber wir wohnen doch hier und wir wissen das doch von unseren Eltern und wir kriegen das doch mit, das ist doch im kollektiven Gedächtnis". Diese Zeit sei für die Menschen dort wie ein Körperteil, so Bauer. Die hat man bei sich, auch wenn man noch ganz klein war oder natürlich, wenn man älter ist, sowieso."

Aufmerksamkeit und Druck zugleich

Über die Einladung zum Theatertreffen freut sich Claudia Bauer - und sieht sie gleichzeitig zwiespältig: "Plötzlich bekommt man Aufmerksamkeit, die man davor sich vielleicht gewünscht hat, und merkt aber auch, dass es ein Druck ist. Wenn man so im Stillen blüht, dann kann man auch einfach mal fröhlich vor sich hin scheitern und es hängt nicht so an der großen Glocke." (uko)

"89/90" wird im Rahmen des Berliner Theatertreffens am 14. und 15. Mai jeweils um 20 Uhr auf der Großen Bühne des Hauses der Berliner Festspiele aufgeführt.

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