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Studio 9 | Beitrag vom 02.05.2016

80 Jahre "Peter und der Wolf"Prokofjews Märchen für die Charaktere des Orchesters

Von Bernd Großheim

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Undatierte Aufnahme des russischen Komponisten und Pianisten Sergej Prokofjew. Er wurde am 27. April 1891 in Sonzowka geboren und ist am 5. März 1953 in Moskau gestorben. (picture-alliance / dpa / Röhnert)
Der russische Komponist und Pianist Sergej Prokofjewm, 1891-1953 (picture-alliance / dpa / Röhnert)

Sergej Prokofjew wollte Kindern die Instrumente des Orchesters nahe bringen - und hatte damit weltweit Erfolg. Am 2. Mai 1936 wurde "Peter und der Wolf" im Moskauer Kinder- und Jugendtheater uraufgeführt. Bis heute gibt es immer wieder neue Versionen seines musikalischen Märchens.

"Ich fand das Stück am Anfang sehr schwer. Doch je weiter wir kamen, umso leichter wurde es. Sehr gefallen hat mir natürlich das Ergebnis der Arbeit, wie das ganze klang, als wir alle zusammen das Stück vor dem Konzert geprobt haben."

Pjotr ist achteinhalb Jahre alt und Schüler der Sergej-Prokofjew-Musikschule in Moskau. Pjotr heißt Peter und mit diesem Namen musste er natürlich in Prokofjews Stück "Peter und der Wolf" die Hauptrolle spielen.

Premiere im Programm der Sergej-Prokofjew-Musikschule

Das musikalische Märchen steht zum ersten Mal auf dem Schulprogramm, meint Lehrerin Jelena, pünktlich zum 80. Jahrestag der Uraufführung:

"Das Märchen wurde eigentlich für ein Symphonieorchester geschrieben. Prokofjew wollte dadurch die Kinder mit den Orchester-Instrumenten vertraut machen. Wir hatten keines zur Verfügung, deswegen haben wir es auf unsere eigene Art und Weise gestaltet, und zwar vierhändig am Klavier mit insgesamt zwölf Kindern. Und das hat geklappt. Man kann die Charaktere durch Akzente, durch Harmonie und Tempo ganz gut zeigen."

Für die zehnjährige Elizaweta, die die Katze spielt, war das eine ganz besondere Herausforderung:

"Das Schwierige war, dass im Sinfonieorchester die Klarinette meine Partie spielt. Und ich musste auf dem Klavier versuchen, deren Töne so gut wie möglich wiederzugeben."

Vor 80 Jahren, am 2. Mai 1936 wurde "Peter und der Wolf" uraufgeführt. Sergej Prokofjew hatte sich vorher mit der Chefin des Moskauer Kindertheaters getroffen, mit Natalja Sac:

"Er brachte das Stück mit und setzte sich an den Flügel. Wir hatten einige Schüler zum Zuhören geholt. Als ich den Text las und er Klavier spielte, spürte ich, dass ich an etwas Großem teilnahm. Kindern, die lernen wollen, wie man Musik hört, haben wir etwas Wichtiges hinterlassen."

Konkurrenz von Tschaikowsky bis Rimski-Korsakov

Und doch: Prokofjews musikalisches Märchen scheint in Russland nicht den durchschlagenden Erfolg gehabt zu haben wie beispielsweise in Westeuropa. Möglicherweise weil dem Stück die Tiefe fehle, die das russische Volk an Musik so schätze, sagt Musiklehrerin Elena. Oder wegen der großen Konkurrenz. Russische Kinder wachsen mit dem "Nussknacker" und "Schwanensee" von Tschaikowsky auf, mit Rimski-Korsakov und Schostakowitsch.

Dennoch: Musikliebhaber geben Sergej Prokofjew Attribute von einzigartig bis kosmisch.

80 Jahre nach der Uraufführung gibt es "Peter und der Wolf" in den unterschiedlichsten Versionen, Erzähler einer der jüngsten Veröffentlichungen ist Punkrocker Campino.

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