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Tonart | Beitrag vom 27.11.2017

75. Geburtstag einer Rock-LegendeWas wäre Jimi Hendrix heute, wenn er noch leben würde?

Von Laf Überland

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Jimi Hendrix Red House in der Haight Street, San Fransisco (Philipp Krohn / Ole Löding)
Jimi Hendrix Red House in der Haight Street, San Fransisco (Philipp Krohn / Ole Löding)

Jimi Hendrix war mit 24 ein Superstar und mit 27 tot. Heute wäre er 75 Jahre alt geworden. Zu sagen, wie sein weiterer Werdegang ausgesehen hätte, ist aber fast unmöglich. Er war wie Quecksilber, veränderte ständig seinen Zustand und seine Interessen, meint Musikjournalist Laf Überland.

Was wäre Jimi Hendrix heute? Möglicherweise taub! Schließlich hatte dieser unbekannte Gitarrenspieler mit den bunten Hippieklamotten und der Zigarette im Mundwinkel vor seinen acht Marshall-Boxen bereits im Juni 1967 das Publikum in einem Londoner Club gewarnt, es solle auf seine Ohren aufpassen!

Vielleicht würde er heute, wie auch die anderen Tinnitus-Opfer der Popmusik, hinter Plexiglasscheiben stehen, wenn er mit anderen Ausnahmegitarristen spielen würde – bestimmt dann und wann mit den Schnelle-Finger-Virtuosen der Hard-and-Heavy-Fraktion, aus sportlichen Gründen, aber vor allem mit feinfühligeren Musikern wie Bill Frisell, John McLaughlin oder Willie Nelson: ohne den Showman-Quatsch, den er ja sowieso von New-Orleans-Bluesern geklaut hatte, hinter dem Rücken spielen und so. Schließlich hatte er sich auch schon 1970 darüber beschwert, daß das Publikum vor allen Dingen die Gitarre brennen sehen wollte, obwohl er das insgesamt anscheinend nur drei Mal vorgeführt hat ...

Modelabel oder Ladyland Park 

Vielleicht hätte Hendrix, wenn er sein Vermögen in die eigenen Hände gekriegt hätte anstatt des Taschengeldes, das ihm sein Management zubilligte, ein Modelabel aufgemacht für diese Paradiesvogel-Outfits, die er immer trug: gelb-weiß gestreiftes Rüschenhemd zu roter Samthose und goldener Weste, dazu Amulette, Federboa und ein Tuch um die Hüften.

Und vielleicht hätte er auch einen Electric Ladyland Park aufgemacht – wie Elvis sein Graceland – aber geöffnet für die schwarzen Kids ...

Doch musikalisch? Manche Jazzmusiker sagen, der Rockmusiker Hendrix habe eigentlich Jazz gespielt, aber er hätte nie Jazzgitarrist werden können: viel zu eng das Korsett, viel zu eindimensional ...

Eddie Kramer, sein Produzent bei zwei Alben, meint, dass er heutzutage sicher ein Hiphop-Produzent mit eigener Plattenfirma oder Filmproduktion wäre, eine Art Jay Z. Jimis Bruder Leon hingegen meint, er wäre Komponist großer Orchesterstücke geworden, das habe er immer machen wollen. "Leon, diese Gitarre hat zu wenig Saiten", habe er gesagt.

Neue Dimensionen der Musik

Aber Hendrix' Hauptinteresse gälte sicherlich HiTec! KI! Vor allem würde er Apps entwickeln lassen, die den Musiker die unglaublichsten Dinge mit der Musik anstellen ließen...

Jimis Hauptanliegen aber würde nach wie vor darin bestehen, in neue Dimensionen der Musik vorzudringen. Und nebenbei würde er genau wie dieser andere Solitär, Neil Young, wohl spätestens zu diesem Geburtstag seine sämtlichen Aufnahmen, die er in seinem Electric Ladyland Studio gemacht hatte, als Archiv veröffentlichen.

Wahrscheinlich wäre Sir Jimi Hendrix heute ein entspannter, liebenswürdig-verschrobener Musiksonderling – leise und sanft, denn eine Woche vor seinem Tod hatte er schon gesagt:

"Es gibt viel zu viele Heavy-Songs heutzutage, kaum noch auszuhalten. Ich sage immer: Wenn die Dinge zu heavy werden, nenn mich einfach Helium – das leichtestes Gas, das wir kennen."

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