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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.06.2017

40 Jahre Ensemble IntercontemporainDie Welt in sieben Tagen

Aufzeichnung vom 30.3.17 aus der Cité de la musique, Paris

Die Komponistin Chaya Czernowin (Schott Promotion / Astrid Ackermann)
Die Komponistin Chaya Czernowin (Schott Promotion / Astrid Ackermann)

So zuversichtlich und lichttrunken wie in Joseph Haydns Schöpfungs-Oratorium vor reichlich 200 Jahren geht es in dieser modernen "Genesis" nicht zu: die Sinnerfülltheit der Welt ist in dieser Gemeinschaftskomposition keine Selbstverständlichkeit mehr.

Und dann gibt es bei diesem Auftragswerk des Pariser Ensembles Intercontemporain für die Jubiläumsspielzeit zu seinem 40. Jahrestag noch einen weiteren Unterschied zum Klassiker: während Haydn, wie der liebe Gott in der alttestamentarischen Vorlage, alles allein zuwege bringen musste, haben sich für die Verwirklichung dieser reizvollen Idee des seit vier Jahren amtierenden Ensemblechefs Matthias Pintscher sieben Künstler – oder sollte man gerade hier ganz bewusst sagen: Schöpfer? – aus ebenso vielen Ländern zusammengetan.

So betreut nun jeder einen Schöpfungstag, beginnend mit Chaya Czernowin aus Israel, die eingangs in die Abgründe des Chaos zurückblickt – bis dann am letzten Tag, nachdem auch der Mensch erschienen ist, Gott  im Beitrag des in Paris geborenen und in Berlin lebenden Mark Andre endlich ausruhen darf. Doch der Sub-Titel für Andres Komposition, "riss 1", deutet schon darauf hin, dass es eben die wahre Vollendung nicht gibt und alles, was in die Welt gesetzt wird, über kurz oder lang auch Probleme zu machen beginnt.

Wer aber trotzdem die Vollkommenheit sucht, findet sie vielleicht im Spiel des Ensembles Contemporain selbst, dessen Gründung vor 40 Jahren eine der vielen nachwirkenden Leistungen von Pierre Boulez war und dass an diesem Abend – manchmal in voller Besetzung, dann wieder in reduzierten Teilformationen –  mit sieben gleichermaßen avancierten, aber in sich sehr unterschiedlichen und in jedem Falle ziemlich herausfordernden Partituren umgehen muss. Aber da die Pariser bisher selten etwas geschreckt hat, kann es wohl auch eine komplette musikalische Weltenschöpfung nicht…

"Genesis" – Sieben Werke über die sieben Tage der Schöpfungsgeschichte
Kompositionsaufträge des Ensemble intercontemporain
mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung

Chaya Czernowin
"On the Face of the Deep” für Ensemble (1. Tag)

Marko Nikodijevic
"dies secundus” für Ensemble (2. Tag)

Franck Bedrossian
"Vayehi erev vayehi boker” für Ensemble (3. Tag)

Anna Thorvaldsdottir
"Illumine” für acht Streichinstrumente (4. Tag)

Joan Magrané Figuera
"Marines i boscatges” für 14 Instrumentalisten (5. Tag)

Stefano Gervasoni
"Eufaunique” für Ensemble (6. Tag)

Mark Andre
"riss 1” für Ensemble (7. Tag)

Ensemble Intercontemporain
Leitung: Matthias Pintscher

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