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Weltzeit | Beitrag vom 08.05.2018

20 Jahre Stadt der Künste und Wissenschaften in ValenciaJubiläum mit Schrammen

Von Oliver Neuroth

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(Oliver Neuroth)
"La Ciudad de las Artes y las Ciencias" in Valencia: ein Gebäude- und Parkkomplex mit Museum, Kino und Oper. Kolosse aus Stahl, Beton und Glas, enworfen von den Architekten Santiago Calatrava und Felix Candela und eingeweiht am 16. April 1998. (Oliver Neuroth)

In diesen Wochen feiert die Kunst- und Wissenschaftsstadt im Südosten Valencias 20-jähriges Jubiläum. Sie kostete 1,3 Milliarden Euro und ist ein Musterbeispiel für futuristische Architektur. Und leider auch für Korruption, sagen Kritiker.

An der "Stadt der Künste und Wissenschaften" kommt kein Valencia-Besucher vorbei. Sie liegt zwar ein paar Kilometer vom Zentrum entfernt – doch jeder Stadt-Rundgang, jede organisierte Tour macht einen Stopp an der futuristischen Gebäudelandschaft.

Walter und Marta Schwiebach aus München haben sich dem Gelände zu Fuß genähert, von der Südseite aus, und erschraken kurz, als das erste der sechs Bauwerke vor ihnen auftauchte, erzählen sie: das "L’Oceanografic", Europas größtes Meeresaquarium. Die Front besteht aus riesigen verspiegelten Glasflächen, das weiße Dach ist sanft geschwungen und erinnert die beiden Urlauber an eine Welle.

Fremdkörper - die aber nicht stören

"Ja, eine wirklich faszinierende Architektur, kann man sagen. Sehr modern, äußerst modern, komplett ungewöhlich. Runde Formen, sehr schön, wahnsinnig interessant. Es ist zwar ein Fremdkörper, weil alles komplett anders aufgebaut ist als eine alte spanische Stadt. Aber es ist nicht störend." "Weil alle Gebäude auf einem Areal sind und nicht verteilt sind. Von daher ist das spannend und interessant!"

Der Architekt Santiago Calatrava lächelt in die Kamera, im Hintergrund ist der Innenraum des "Oculus"-Bahnhofs in New York zu sehen (imago stock&people/UPI Photo)Der spanische Architekt Santiago Calatrava - hier in New York - hat das valencianische Wunderwerk vor 20 Jahren erbaut. (imago stock&people/UPI Photo)

Das Areal ist 350.000 Quadratmeter groß. Die beiden spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava und Felix Candela haben den Komplex entworfen. Er befindet sich im trockengelegten Flussbett des Turia, das zu einer zehn Kilometer langen Parkanlage umgebaut wurde.

Mischung aus Natur und moderner Architektur

Genau diese Mischung – Natur und moderne Architektur – ist für Generalmanager Enrique Vidal eines der wichtigsten Markenzeichen der Stadt der Künste und Wissenschaften.

"Jeden Morgen, wenn ich hierher komme, erstaunt es mich, was ich sehe. Die ganze Welt fragt mich immer wieder, welches Gebäude das schönste ist. Es ist so, als würde man ein Kind fragen, ob es lieber seine Mutter oder seinen Vater  mag. Ich kann es nicht sagen, ich liebe alle Gebäude."

Enrique Vidal, der Museumsmanager der "Stadt der Künste und Wissenschaften" in Valencia: "Ich liebe alle Gebäude." (Oliver Neuroth, ARD Madrid)Enrique Vidal, der Museumsmanager der "Stadt der Künste und Wissenschaften" in Valencia: "Ich liebe alle Gebäude." (Oliver Neuroth, ARD Madrid)

Sein Büro hat Vidal im Herzstück der Anlage, dem Wissenschaftsmuseum. Wer von außen auf das dreistöckige Gebäude blickt, sieht riesige weiße Stahlbetonträger; einige haben die Form von überdimensionierten Haken oder Stacheln. Zwischen ihnen sind große Fensterflächen eingesetzt. Dadurch ist es im Museum fast so hell wie draußen vor der Tür.

Das stachelige interaktive Wissenschaftsmuseum ist das Herzstück der Anlage. (Oliver Neuroth, ARD Madrid)Das stachelige interaktive Wissenschaftsmuseum ist das Herzstück der Anlage. (Oliver Neuroth, ARD Madrid)

Tagsüber kommen vor allem Schulklassen aus Valencia und der Region zu Besuch. Sie sollen mehr über die Natur und ihre Gesetze lernen – und zwar auf eine interaktive Art. Die Grundregel lautet, eher untypisch für ein Museum: Anfassen und ausprobieren ausdrücklich erlaubt.

Die Kinder erfahren zum Beispiel, wie viel Wasser sich genau in ihrem Körper befindet: Dazu steigen sie auf eine Waage – gegenüber von ihnen füllt sich ein Behälter mit der exakten Menge Wasser, die zu ihrem Körpergewicht passt.

Spielerischer Ort mit wissenschaftlichem Anspruch

Wozu sind die einzelnen Chromosomen im Körper da, welche Prozesse spielen sich dank ihnen ab? Mitarbeiter des Museums machen Spiele mit den Kindern und zeigen an einfachen Beispielen, wie Natur funktioniert.

"Es ist ein spielerischer Ort, der aber einen wissenschaftlichen Anspruch hat. Mal sehen, ob wir in der Lage sind, die Lust auf Wissenschaft bei jungen Menschen zu wecken. Wir wollen dagegen ansteuern, dass sich viele Kinder immer weiter von Forschung und Technik entfernen. Unser Ziel: Sie sollen sich in Wissenschaft verlieben."

Jung trifft alt - Dinosaurier mit Schülern im Wissenschaftsmuseum in Valencia. (Oliver Neuroth, ARD Madrid)Jung trifft alt - Dinosaurier mit Schülern im Wissenschaftsmuseum in Valencia. (Oliver Neuroth, ARD Madrid)

Nach einem Stopp im Museum folgt für die meisten Schulklassen ein weiterer nebenan im "L’Hemisfèric", dem 3D-Kino der Anlage. Es hat die Form einer Kuppel und soll ein übergroßes Auge darstellen, das sich öffnen und schließen lässt. Das Kino war das erste Gebäude der "Stadt der Künste und Wissenschaften", ist also der Teil, der in diesen Tagen den eigentlichen Geburtstag feiert.

Dokumentationen statt Hollywood-Blockbuster

Das Kinoprogramm im "L’Hemisfèric" steht ebenfalls ganz im Zeichen der Forschung. Es laufen also keine Hollywood-Blockbuster – dafür Dokumentationen über Naturereignisse oder wissenschaftliche Zusammenhänge, alles gut verständlich aufgearbeitet.

Die Zuschauer sitzen in bequemen Sesseln und blicken auf eine riesige, leicht gebogene Leinwand. Mit einer 3D-Brille fühlt man sich, als stünde man direkt vor den Niagarafällen, in einem US-Nationalpark oder neben einem Dinosaurier. Modernste Technik macht es möglich, erklärt Museumsmanager Vidal.

"Wir haben die komplette Projektionsanlage von 1998 ausgetauscht und auf den neuesten Digitalstandard 4K gebracht. Es ist ein ständiger Erneuerungsprozess. Wenn wir an diesem Punkt nicht mitziehen würden, wären wir nicht wettbewerbsfähig in Europa."

Das "L’Hemisfèric", das 3D-Kino und Planetarium der Anlage, symbolisiert ein großes Auge, das sich öffnen und schließen lässt. (Oliver Neuroth, ARD Madrid)Das "L’Hemisfèric", das 3D-Kino und Planetarium der Anlage, symbolisiert ein großes Auge, das sich öffnen und schließen lässt. (Oliver Neuroth, ARD Madrid)

Im vergangenen Jahr kamen 150.000 Besucher ins Kino, freut sich der Manager. Und er gibt zu, dass man gerade in den Sommermonaten auch etwas leichtere Kost zeigt – nicht nur Wissenschafts-Dokus – um die Valencianer anzulocken.

"Wenn Du nur das "L’Hemisfèric" siehst, kommt es Dir groß vor. Wenn Du es aber zusammen mit den Gebäuden drum herum betrachtest, schließt Du es ins Herz, weil es das kleinste ist."

Wahrzeichen Valencias: Wissenschaftsmuseum (li.) und Kino. Das  "L´Hemisféric" (re.) war das erste Gebäude der "Stadt der Künste und Wissenschaften". 2017 kamen 150.000 Besucher hierher.  (Oliver Neuroth, ARD Madrid)Wahrzeichen Valencias: Wissenschaftsmuseum (li.) und Kino. Das "L´Hemisféric" (re.) war das erste Gebäude der "Stadt der Künste und Wissenschaften". 2017 kamen 150.000 Besucher hierher. (Oliver Neuroth, ARD Madrid)

Vor allem im Vergleich zum mächtigen "Palau de les Arts Reina Sofia", gleich nebenan, dem Opernhaus Valencias. Es ist das mit Abstand größte Gebäude der Kunst- und Wissenschaftsstadt – und hat die Form einer riesigen gestreckten Kugel. Man könnte auch sagen: es sieht aus wie ein überdimensioniertes Ei. Enrique Vidal sieht noch weitere Parallelen.

"Wenn ich im Foyer stehe, komme ich mir vor wie im Heck eines Schiffs. Eines Schiffs aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, wie wir sie aus Piratenfilmen kennen – oder wie man sich die Kabine des Kapitäns vorstellt, alles ist aus Glas. Andererseits sieht die Oper für mich wie ein Helm eines Kriegers aus."

Klein trifft groß: das Kino (li.) und das  "Palau de les Arts Reina Sofia", das Opernhaus Valencias, das größte Gebäude der "Kunst- und Wissenschaftsstadt".  (Oliver Neuroth, ARD Madrid)Klein trifft groß: das Kino (li.) und das "Palau de les Arts Reina Sofia", das Opernhaus Valencias, das größte Gebäude der "Kunst- und Wissenschaftsstadt". (Oliver Neuroth, ARD Madrid)

Die Oper verfügt über vier Konzert- und Veranstaltungssäle auf einer Gesamtfläche von 37.000 Quadratmetern. Auf einer der oberen Ebenen befindet sich ein Garten mit Palmen. Joe aus New York steht mit versteinerter Miene vor dem majestätischen Bau.

Höhepunkt der Europa-Reise

"Die Architektur ist unglaublich. Viele Teile des Gebäudes sind freihängend – das hat nichts mit den retortenartigen Bauwerken zu tun, die überall auf der Welt zu finden sind. Ich liebe diesen Ort. Meine Freundin hat ihn entdeckt – absolut atemberaubend, das alles zu sehen."

Joe nennt die Kunst- und Wissenschaftsstadt einzigartig, ein Highlight seiner Europa-Reise. Allerdings spricht er auch von einem krassen Kontrast zur restlichen Architektur Valencias:

"Hier prallen zwei Welten aufeinander. Wenn man das historische Stadtzentrum und die kastenförmigen Hochhaussiedlungen mit diesem ultramodernen Design vergleicht. Aber diese Gebäude sind trotzdem toll. Man sieht sie ja schon aus kilometerweiter Entfernung, wenn man über die Autobahn in die Stadt fährt."

Vorsicht zugig - Auf dem Dach des Wissenschaftsmuseums in Valencia. (Oliver Neuroth, ARD Madrid)Vorsicht zugig - Auf dem Dach des Wissenschaftsmuseums in Valencia. (Oliver Neuroth, ARD Madrid)

Kolosse aus Stahl, Beton und Glas, die viele das neue Wahrzeichen Valencias nennen. Andere sprechen von purer Geldverschwendung. Der Bau der Gebäude hat mehr als 1,2 Milliarden Euro gekostet. Ursprünglich angesetzt waren 300 Millionen.

Manche sprechen von purer Geldverschwendung

Darüber regt sich zum Beispiel Laura auf, eine Touristenführerin der besonderen Art. Sie engagiert sich in der Bürgerbewegung "ruta del despilfarro", "Route der Vergeudung". Auf einer Spezialtour präsentiert Laura Valencias Bausünden. Und die Stadt der Künste und Wissenschaften ist ihr Lieblings-Startpunkt.

"Der Komplex wurde gebaut, weil man dachte, er könnte eine touristische Werbung sein. Sie dachten, dass täglich Tausende kommen würden. Und jetzt merken sie, dass die ganze Anlage defizitär ist. Denn das Publikum, das sie erwartet haben, kommt nicht."

Zumindest schauen sich viele Besucher die prächtigen Bauwerke lieber von außen an, als Eintrittskarten zu kaufen und hineinzugehen. Doch Museumsmanager Vidal verteidigt das Konzept der Anlage. Schließlich stünden Kultur und Forschung im Mittelpunkt – nicht der Kommerz. Im vergangenen Jahr habe man fast zweieinhalb Millionen Tickets verkauft.

"Es ist unvorstellbar, dass sich in Europa ein solches Zentrum selbst finanziert. In den USA ist das anders, dort gibt es riesige private Stiftungen, die so etwas betreiben. Aber in Europa ist es meistens der Staat oder die Gemeinde. Wir wollen diese öffentliche Unterstützung auf ein Minimum reduzieren und wir sind zuversichtlich, dass das auch gelingt. Dass wir stetig mehr Geld einnehmen durch den Verkauf von Eintrittskarten und Events."

Die Mehrzweckhalle steht meistens leer

Beim Wort "Events" hakt Laura ein. Denn davon fanden bisher kaum welche statt, sagt sie. Die avantgardistische Mehrzweckhalle des Komplexes, die "L’Àgora", stehe meistens leer. In vergangenen Jahren sei sie lediglich für ein Tennis-Event und eine Mode-Veranstaltung gebucht worden. Zwei Wochen Nutzung pro Jahr, 50 Wochen Leerstand.

"Die Halle wurde gebaut, ohne darüber nachzudenken, wozu sie eigentlich dienen soll. Die haben sich gedacht: Ach, uns fehlt noch ein Gebäude. Das ist doch absurd. Valencia ist eine Stadt, in der es zählt, das Größte zu haben."

Valencia wollte groß sein, Anfang des Jahrtausends. Und sich nicht länger hinter Städten wie Barcelona und Madrid verstecken müssen. Der Stadt ging es gut, der Immobiliensektor boomte. Kredite waren billig und die konservative Stadtregierung Valencias stark. Museumsmanager Vidal erinnert sich.

"Anfang der 90er Jahre standen in ganz Spanien große Ereignisse an: 1992 zum Beispiel die Olympischen Spiele in Barcelona und die Weltausstellung in Sevilla. Man wollte stark sein, Infrastruktur erschaffen. In dem Zusammenhang entstand auch das berühmte Guggenheim-Museum in Bilbao. Und schließlich wurde auch unsere Stadt der Künste und Wissenschaften gebaut."

Immobilienblase und Schuldenkrise

Doch dann platzte die Immobilienblase in Spanien: Valencia stolperte in die Schuldenkrise und seine Politiker über die Korruption. Zeitungen berichteten ausgiebig, wie einige Politiker offenbar ihren Einfluss genutzt haben, um sich und ihre Partei systematisch zu bereichern.

Doch die große Korruption gehöre der Vergangenheit an, sagt Eva Ortiz, Generalsekretärin der konservativen Partei PP in der Region Valencia. Ihre Partei habe einen tiefgreifenden Wandel durchgemacht:

"Ich gestehe, dass es Situationen gab, die uns beschämt haben. Auch wir haben uns von einigen Parteifreunden hintergangen gefühlt. Das sage ich ganz offen. Sollte es Menschen gegeben haben, die ihre Stellung zum persönlichen Vorteil genutzt haben, sollten sie zur Rechenschaft gezogen werden."

Treffen in Valencia: die "Lady in Red" ist Rita Barberá, langjährige Bürgermeisterin der Stadt. Links daneben der heutige spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy. (AP)Treffen in Valencia: die "Lady in Red" ist Rita Barberá, langjährige Bürgermeisterin der Stadt. Links daneben der heutige spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy. (AP)

Im Visier der Ermittler stand unter anderem Rita Barberá, die fast ein Vierteljahrhundert lang Bürgermeisterin von Valencia war. Im September 2016 wurde ein Verfahren gegen sie eingeleitet. Der Vorwurf: Geldwäsche. Barberá stritt alles ab, trat aus Protest sogar aus der konservativen Partei PP aus. Ihren Sitz im Senat behielt sie aber.

"Ich bin in keinen einzigen Korruptionsfall verwickelt – auch wenn mir das immer wieder vorgeworfen wird. Fernsehsender verbreiten gerne Lügen und wollen manipulieren."

Herzinfarkt kurz vor dem Gerichtstermin

Im November 2016, wenige Tage vor einer gerichtlichen Anhörung, überschlugen sich die Ereignisse: Rita Barberá erlitt einen Herzinfarkt, sie starb in einem Hotel in Madrid. Beobachter hielten die Politikerin für eine der Schlüsselfiguren in mehreren Fällen von zwielichtigen Geldgeschäften.

Eine lückenlose Aufklärung – ohne Barberá kaum mehr möglich. Valencia gilt auch deshalb bei vielen Spaniern bis heute als die Hauptstadt der Korruption, das Image ist angekratzt. Dessen ist sich auch Laura Llopis vom Tourismusverband Valencias bewusst. Ebenso dass die Stadt der Künste und Wissenschaften immer wieder als Beispiel für besonders schwere Fälle von Korruption herhalten muss.

"Das ist etwas, das mehr in Spanien miterlebt wurde, ab und zu leider auch in den internationalen Medien ein Beispiel für die Korruption in Spanien war. Aber das ist etwas, das nun vorbei ist. Wir sind jetzt in einer neuen Etappe der Politik in Spanien - für die Besucher ist das deshalb überhaupt nicht wichtig."

Diesen Kurs fährt auch der aktuelle Bürgermeister von Valencia, der linke Joan Ribo. Er will die angestaubte Politik seiner Vorgängerregierung hinter sich lassen, transparenter sein als die Konservativen.

Korruption - das soll jetzt vorbei sein

"Es stimmt, dass gegen mehrere Ratsmitglieder wegen Korruption ermittelt wurde. Aber es waren alles Mitglieder der konservativen Volkspartei, der Stadtregierung, die hier 24 Jahre an der Macht war. Valencia ist nicht mehr die Hauptstadt der Korruption. Valencia ist die Hauptstadt des neuen Regierens, die sich im spanischen Staat durchsetzen muss."

Durch Valencia soll ein Ruck gehen, wünscht sich die linksalternative Stadtregierung. Zumindest wirtschaftlich scheint das gerade zu passieren: Die Reisebranche profitiert von einem Touristenboom. Im vergangenen Jahr kamen mehr als zwei Millionen Urlauber aus anderen Ländern, so viele wie nie.

Das lag einerseits an der angespannten Sicherheitslage in anderen Urlaubsländern wie der Türkei oder Tunesien, was Auswirkungen auf ganz Spanien hatte. Aber Valencia profitierte auch von der politischen Krise in der Nachbarregion Katalonien, sagt Laura Llopis vom Tourismusverband. Die Aussichten für dieses Jahr seien ebenfalls gut.

Korrespondent Oliver Neuroth mit Laura Llopis vom Tourismusverband Valencia: "Die Aussichten für 2018 sind gut". (Oliver Neuroth, ARD Madrid)Korrespondent Oliver Neuroth mit Laura Llopis vom Tourismusverband Valencia: "Die Aussichten für 2018 sind gut". (Oliver Neuroth, ARD Madrid)

"Valencia ist sehr ähnlich zu Barcelona. Und dadurch kommen auch viele Gäste, die vielleicht auf den ersten Blick Barcelona als Reiseziel hatten und dann wegen der Situation dort vielleicht Valencia nun als Destination genommen haben. Und das ist etwas, wovon wir natürlich profitieren."

Wo geht´s lang in Valencia ? - Wegweiser zwischen den Gebäuden in der "Kunst- und Wissenschaftsstadt". (Oliver Neuroth, ARD Madrid)Wo geht´s lang in Valencia ? - Wegweiser zwischen den Gebäuden in der "Kunst- und Wissenschaftsstadt". (Oliver Neuroth, ARD Madrid)

Über den Schub an Touristen freut sich auch Enrique Vidal, der Manager der Stadt der Künste und Wissenschaften. Wobei er davon überzeugt ist, dass nicht nur wegen der Probleme in Katalonien so viele Menschen nach Valencia reisen; auch der futuristische Museumskomplex entfalte nun endlich seine Wirkung als Publikumsmagnet.

"Wir glauben, dass die Stadt der Künste und Wissenschaften die Mentalität Valencias verändert und die Stadt zu einem modernen Tourismusziel gemacht hat. Früher kamen natürlich auch schon Urlauber, um sich die Altstadt anzuschauen – aber wir waren keine echte Touristendestination. Heute sind wir ein internationaler Anziehungspunkt für Urlauber. Und ich denke, das liegt an der Stadt der Künste und Wissenschaften."

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