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Kompressor | Beitrag vom 13.09.2017

150 Jahre "Das Kapital"Marx als Marke

Tom Strohschneider im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Rote Plastikfiguren von Karl Marx mit dem Slogan "Reich macht arm - Missfällt mir" sind im Februar 2014 vor dem Bundesparteitag der Partei Die Linke in Hamburg zu sehen. (picture alliance / dpa / Bodo Marks)
Marx ist zu einer Art Ikone geworden. Bei der Linken sowieso. (picture alliance / dpa / Bodo Marks)

Vor 150 Jahren erschien das "Kapital" von Karl Marx. Seine Kritik am Kapitalismus ist nicht allen geläufig, wohl aber sein Konterfei: Als "gemütlicher Opa" ist Marx Teil der Popkultur geworden, sagt der Journalist Tom Strohschneider. So landete er auch auf dem Cover eines Beatles-Albums.

Vor 150 Jahren ist der erste Band des "Kapitals" von Karl Marx erschienen. Der genaue Tag wird verschieden datiert, was mit den damaligen Wegen zu tun hat: Am 11. September 1867 begann die Auslieferung, am 13. September erhielt Marx seine Belegexemplare und am 14. September wurde die Veröffentlichung vom Börsenverein annonciert.

Solche Details und noch vieles mehr hat Tom Strohschneider recherchiert, Chefredakteur der Zeitung "Neues Deutschland".

Gesicht des 100-Mark-Scheines in der DDR

Marx ist zu einer Marke, zu einer Ikone geworden wie Che Guevara oder Albert Einstein. Das liege auch an Marx' Optik, meint Tom Strohschneider: Er erinnere uns eben an einen gemütlichen Opa. Marx selber habe von "Kopfperücke und Prophetenbart" gesprochen. 

Zudem gebe es eben auch nur wenige Fotografien von ihm. "Da ist etwas Emblematisches entstanden", sagt Strohschneider. Er habe eine runde, fast schon stickerhafte Kopffigur, die etwas Mildes und Schönes ausstrahle, meint er. Bei Lenin sei diese Erzählung spitz und schroff, bei Marx hingegen etwas freundlicher.

"Das ging nur mit Marx! Lenin oder Engels wären ungeeignet dafür." 

Der Marx-Kopf im Unterwäscheladen

Zum 100. Todestag von Karl Marx - im Jahr 1983 war das - gab es in der DDR Feierlichkeiten. "Es gibt eine ganze Reihe an tollen Fotografien, die uns heute als ganz merkwürdige, ja, fast schon peinlich-humorvolle Abbildungen erscheinen, die aber in der Wirklichkeit damals gar nicht auffielen" - wie das Foto des Unterwäsche-Ladens, der Marx' Konterfei neben Damen-Unterwäsche drapiert hatte. "Das hat schon was!"

Geschmücktes Schaufenster einer DDR-Modeboutique anlässlich des 1. Mai mit einem Konterfei von Karl Marx im Jahr 1983 (imago/Günter Schneider)Geschmücktes Schaufenster einer DDR-Modeboutique anlässlich des 1. Mai mit einem Konterfei von Karl Marx im Jahr 1983 (imago/Günter Schneider)

Doch in der DDR hätten solche Bilder ihr Potenzial noch gar nicht ausgestrahlt, weil man es noch nicht so verstanden habe, meint Strohschneider. 

Marx war auch das Konterfei auf dem 100-Mark-Schein der DDR und das war eines der am häufigsten aufgehobenen Erinnerungsstücke, erzählt Strohschneider. 

Das Cover des Beatles-Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" (Imago)Suchbild: Wo versteckt sich Karl Marx auf dem Cover des Beatles-Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band"? (Imago)

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