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Interview | Beitrag vom 13.09.2017

15 Monate nach der Brexit-EntscheidungWie EU-Bürger in Großbritannien um ihre Rechte kämpfen

Maike Bohn im Gespräch mit Axel Rahmlow und Vladimir Balzer

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Zehntausende demonstrieren in London gegen den Brexit (John Stillwell/dpa)
Ein tief gespaltenes Land: Zehntausende demonstrieren in London gegen den Brexit (John Stillwell/dpa)

15 Monate ist das Referendum nun schon her, an dessen Ende die Entscheidung zum Brexit stand. Seitdem schlingern Großbritannien und die EU um Entscheidungen herum - ein Zustand, der den drei Millionen EU-Bürgern im Land zunehmend Probleme bereitet.

Über ein Jahr ist die knappe Entscheidung für den Brexit her, die Verhandlungen über den Ausstieg müssen bis 2019 abgeschlossen sein. Und noch immer sind viele Fragen offen – auch der Status von rund drei Millionen EU-Bürgern, die in Großbritannien leben und arbeiten. Unter ihnen sind auch 300.000 Deutsche. Was passiert mit ihnen, wenn Großbritannien nicht mehr Teil der EU ist: Dürfen sie bleiben? Dürfen sie weiterhin arbeiten?

"Die Frage ist, ob das englische Parlament uns unterstützt", sagt Maike Bohn, Gründungsmitglied der Organisation "The 3 Million". Seit 25 Jahren lebt sie in Großbritannien und müsste nun wegen des Brexits die englische Staatsbürgerschaft beantragen. Mit "The 3 Million" kämpfen die Betroffenen dafür, dass ihnen und ihren Kindern die noch bestehenden EU-Rechte auf Lebenszeit erhalten bleiben. "Im Moment sieht es nicht so gut aus, auch bei den Verhandlungen, die ins Stocken geraten sind", sagt sie. 

Feindselige Rhetorik gegen EU-Bürger

"Die Engländer würden uns gern unter ihr normales Einwanderungsrecht setzen", erzählt sie. Das bedeutet, dass zukünftige Regierungen ihren Status ändern oder ganz aufheben könnten. "Was wir natürlich wollen, dass unser Rechte zur Lebenszeit gewahrt werden und auch nicht eingeschränkt werden." Das sei ihnen vor den Referendum und auch danach zugesichert worden, "doch da ist nichts passiert!"

Schon heute sei der Alltag durch das Referendum sehr verändert, klagt sie. "Was wir sehen ist, dass durch diese Unsicherheit - was passiert mit den EU-Bürgern, was sind da für Auflagen, werden Firmen 'Kopfgeld' zahlen müssen, wenn sie EU-Bürger beschäftigen - fühlen wir uns nicht mehr besonders willkommen." Dazu trüge auch die feindselige Rhetorik der rechten Tagespresse bei. 

Nach 25 Jahren im Land war Bohn "eigentlich Britin. Doch ich sehe diese Land auf einmal mit anderen Augen und das ist sehr schmerzhaft."

Gleichzeitig hat sie den Eindruck, dass so mancher Brite die Tragweite des Referendums noch nicht wirklich erfasst habe. "Ich habe das Gefühl, das ganze Land steht noch immer etwas unter Schock", sagt sie. 

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