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Montag, 18.12.2017

Konzert / Archiv | Beitrag vom 08.12.2017

100 Jahre Finnland und 90 Jahre Finnisches RSOMänner singen über Liebe

Aus dem Musiikkitalo Helsinki

Hannu Lintu, an einem Schreibtisch sitzend mit Dirigierstab in der Hand (DSO Berlin / Kaapo Kamu)
Der Dirigent Hannu Lintu (DSO Berlin / Kaapo Kamu)

Am 6. Dezember scheint die Sonne in Helsinki maximal für reichlich sechs Stunden – aber für Finnland ist es trotzdem ein heller Tag - das RSO feiert mit seinem Chefdirigenten Hannu Lintu 100 Jahre staatliche Unabhängigkeit.

Gefeiert wird zwar schon das  ganze Jahr über, aber natürlich verdichtet sich das festliche Geschehen um den Unabhängigkeitstag herum noch ein weiteres Mal – nicht zuletzt mit vielen musikalischen Veranstaltungen, auf die auch unsere Konzertabende in dieser Woche mit einem Finnland-Schwerpunkt reagieren. Im Falle des heutigen Programms, dessen Aufzeichnung am 6. Dezember und damit genau am Tag der Unahängigkeitsproklamation vor 100 Jahren stattfand, verbindet sich mit dem staatspolitischen Jubiläum noch ein zweites: der 90. Gründungstag des finnischen Radio-Symphonieorchesters, das unter seinem aktuellen Chef Hannu Lintu musiziert.

Jean Sibelius, der als künstlerisch-geistiger Wegbereiter seinen eigenen Beitrag zur finnischen Unabhängigkeit geleistet hat, darf dabei natürlich nicht fehlen. In diesem Falle erklingt seine wuchtige, tragisch-pathetische "Kullervo"-Tondichtung, mit der sich der Mittzwanziger Anfang der 1890er Jahre erstmals in die archaische Welt der uralten finnischen Legenden vertiefte und daraus unter Einbeziehung von Solo- und Chorstimmen ein gewaltiges Panorama um Heldentum und Aufopferung, Schuld und Sühne entwickelte.

Diesem fünfsätzigen 70-Minuten-Werk gingen im Festkonzert in Helsinki zwei Uraufführungen voran, die in jeweils verschiedener Art auf den nationalen Klassiker Bezug nehmen. Bei dem international hoch renommierten Magnus Lindberg könnte man beispielsweise an die hoch expressiven, bisweilen sogar explosiven Elemente in den Partituren beider denken: das Thema des neuen Werks "Tempus fugit" – das unablässige Verrinnen und Vergehen der Zeit also – ist sicher eine gute Gelegenheit, solche Qualitäten ein weiteres Mal auszustellen. Aus Zeitgründen, wegen der Überlänge dieses Konzerts, können wir diese Komposition leider nicht senden.

Lotta Wennäkoski wiederum, 1970 geboren und damit der mittleren finnischen Komponistengeneration zugehörig, greift die auch bei Sibelius sehr stark mitspielende erotische Komponente der Musik auf und erdet die tragische Inzestgeschichte um Kullervo und seine ihm unerkannt begegnende Schwester auf sehr gegenwärtige Weise mit Männerchorgesängen, die um das Thema "Liebe" kreisen und dazu durch ihre Dreisprachigkeit (Finnisch, Schwedisch und die Sprache der in Nordfinnland lebenden Sami) der Gefahr eines überspannten Nationalzentrismus entgegenarbeiten.

Musiikkitalo, Helsinki
Aufzeichnung vom 6. Dezember 2017

Lotta Wennäkoski
"Uniin asti" für Männerchor und Orchester

Jean Sibelius
"Kullervo" op. 7, Sinfonische Dichtung für Soli, Chor und Orchester

Niina Keitel, Mezzosopran
Tuomas Pursio, Bariton
Polytechnischer Chor Helsinki
Estnischer Nationaler Männerchor
Finnisches Radio-Symphonieorchester
Leitung: Hannu Lintu

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